1. Historischer Hintergrund:

Die erste Erwähnung einer vorhandenen Kirche an diesem Ort (einst Havescheid und seit 1507 Kohlhagen genannt) bezeugt die Stiftungsurkunde der "Ewigen Vikarie auf dem Berge unser Lieben Frauen" aus dem Jahre 1490. Als Hinweis auf ein beträchtliches Alter dieser "Kapelle" können ggfs. die außen in 2 Strebepfeilern (im S und N) eingelassenen Kopfmasken geben. Sie fanden mit großer Wahrscheinlichkeit in der Vorkirche als Kopfkonsolen ihren Platz.

2. Der Kirchenbau:

Die heutige Kirche wurde um den Vorgängerbau herum, und zwar im damals vielverwendeten nachgotischen Stil in der Zeit von 1703 bis 1707 von Pfarrer Paulus Leyemann (1693-1745) errichtet: ein auf quadratischem Grundriss abgesetzter Turm mit Spitzhelm (seit etwa 1809) im Westen, dem Langhaus und der eingeschnürten Chorapsis. Die zwischen den kräftigen Strebepfeilern stehenden Fenster sind spitzbogig und ohne Maßwerk. (Foto: Innenraum der Pfarr- und Wallfahrtskirche)

3. Das Kircheninnere:

Eine Saalkirche mit 3 querrechteckigen Jochen unter einem Kreuzgratgewölbe, auf Wandpfeilern mit Vorlagen, ferner ein schmales Rechteckjoch vor der Apsis, letztere mit einem 5/10-Schluß.

4. Die Innenausstattung:

Der Hochaltar wurde als typische eintorige Triumphanlage (in sinnbildlicher Übereinstimmung mit dem Altarblatt) von dem Attendorner Künstler Peter Sasse (+1755) in der Zeit nach 1709 gefertigt und gehört stilistisch mit manieristischen Anklängen zum Hochbarock. Altarmittelbild (Anbetung des Kindes durch die Hirten) Rundbild (Begegnung der beiden heiligen Frauen Maria und Elisabeth) im Altarauszug können ikonographisch dem Schmallenberger Maler Caspar Falcke zugeordnet werden. Die Figuren des Altaraufsatzes sind (in der Reihenfolge von oben nach unten und von rechts nach links, vom Altar her): Maria als Himmelskönigin, die Eltern Marias, nämlich Joachim und Anna (diese mit der Tochter in der bekannten Leseszene), die von je 2 mit üppigem Weinlaub und Reben verzierten Spiralsäulen flankierten Apostelfürsten Petrus und Paulus (hier als Patrone der Mutterpfarre Kirchhundem), ferner die über den seitlichen Durchgängen stehenden Heiligen Johannes von Nepomuk und Franziskus Xaverius. Das gesamte bildnerische Programm weist mit seiner ornamentalen Prachtfülle des Barock auf das marianische Anliegen der Kirche hin.
Die Seitenaltäre (siehe Bild) entstammen ebenfalls in ihrer Gesamtheit der genannten Künstlerfamilie Sasse. Rechts (vom Chor her gesehen) enthält der Kreuzaltar in der Mittelkalotte das Gnadenbildnis, eine spätgotische Marienklage. Seitlich ergänzen das Altarprogramm die den Kreuzweg Jesu begleitenden heiligen Frauen Veronika und Maria Magdalena.
In symmetrisch-harmonischer und ikonologischer Entsprechung enthält der gegenüberliegende Valentinsaltar in der Mitte die Figur des entsprechenden Heiligen, des Patrones unseres einsti­gen Hundemgaues. Im Retabel stehen ferner der hl. Erzengel Michael (oben), darunter die Heiligen Luzia und Agatha und im Mittelgeschoss jeweils außen der Pestheilige Rochus und der Hl. Antonius von Padua.

Vom Schalldeckel der Kanzel schaut der "Gute Hirt" herab, am Kanzelkorb garantieren die 4 Evangelistenbilder das verkündete Wort dieses Hirten.

Die barocke königliche Strahlenmadonna segnet mit ihrem göttlichen Sohn den Ankommenden gleichermaßen wie den Hinausgehenden auf seinem Weg nach Westen, in die Welt.

Die Apostel im Kirchenraum dürften nicht aus der Hand, wohl aber aus der Werkstatt des Künstlers Sasse stammen.

Die Orgel im Westabschluss des Langhauses wird in ihren wesentlichen Teilen im Jahre 1745 entstanden sein. Als eventuelles Indiz für ein schon vorher vorhandenes Instrument darf die in einem Balken eingeschnitzte Jahreszahl 1709 gedeutet werden. Als Erbauerin der Orgel ist die Orgelbaufamilie Kleine aus Eckenhagen anzusehen.

Das Kirchengestühl trägt in seinen Pulten noch die Namen ihrer vormaligen "Besitzer" (aus der Erbauungszeit).

Die einstigen Bronze-Glocken wurden gemäß des sog. "Vierjahresplanes" der NS-Regierung 1942 zerschlagen und für die Kriegsrüstung umgeschmolzen. Die Neuanschaffung von 5 Stahlglocken (in der Tonierung des "Salve Regina") war eines der ersten Maßnahmen des naziverfolgten Kohlhagener Pfarrers Peter Grebe im Jahre 1947. Am 11.12.1994 erfolgte dann die Weihe des jetzigen Glockengeläutes - nun wieder in Bronze -, gegossen in der Gießerei Mark in Brockscheid. Es umfasst fünf Glocken.

Im Küsterhaus bzw. am Schriftenstand kann ein ausführlicher Kirchenführer bzw. das Festbuch "500 Jahre Wallfahrtskirche Kohlhagen" erstanden werden.


F.d.I.: Rektor i. R. Bernhard. Pauly, Kirchhundem-Wirme

Renovierung der Kirche und Anbau einer Sakristei:

Von Dezember 1999 bis Palmsonntag 2000 war die Wallfahrtskirche geschlossen. In dieser Zeit erfolgte eine umfangreiche Gesamtrenovierung des Kircheninneren und ein Anbau einer Sakristei am Ostchor der Pfarrkirche im Gesamtvolumen von rund 780.000,- DM. Falls Sie uns bei der Erhaltung der Kirche helfen wollen, hier unsere KontoNr.: 30505800 bei der VB Hundem-Lenne (BLZ 46262456). Spendenquittungen werden entsprechend ausgestellt.